Anonymisieren sind drei Aufgaben, nicht eine
Die offensichtliche Aufgabe sind die Pixel: Gesichter, Namensschilder, Kennzeichen, ein Bildschirm mit einer E-Mail-Adresse darauf. Die zweite ist die Datei selbst — in Handyfotos stehen EXIF-Daten, und darin regelmäßig GPS-Koordinaten, die genau genug sind, um die Haustür zu finden, an der das Bild entstanden ist. Die dritte ist der Kontext: eine Bildunterschrift, eine auffällige Dienstkleidung, ein wiedererkennbarer Ladeneingang. Die ersten beiden nimmt dir ein Werkzeug ab. Die dritte ist ein halbminütiger Blick auf das, was du gleich veröffentlichst.
Jedes Gesicht abdecken — und entscheiden, womit
Zieh das Foto in den Editor, und jedes Gesicht ist automatisch gefunden und umrandet — pro Gesicht ein eigener Rahmen, auf einem Gruppenfoto genauso wie auf einem Porträt. Welche davon verdeckt werden, entscheidest du: Ein Klick nimmt einen Rahmen wieder aus der Auswahl, und für einen halb abgewandten Kopf, der durchgerutscht ist, ziehst du selbst einen auf.
Der Effekt zählt mehr, als die meisten denken. Weichzeichnen wirkt weich und reicht für den beiläufigen Beitrag. Verpixeln ist deutlicher — das Mosaik macht sichtbar, dass etwas entfernt wurde. Deckend ist die stärkste Wahl, weil darunter nichts bleibt, was sich rekonstruieren ließe, und ein Sticker deckt genauso vollständig ab. Was du auch nimmst: Deck das ganze Gesicht ab, vom Haaransatz bis zum Kinn — eine Abdeckung, unter der die Miene noch zu ahnen ist, ist eine Stufe zu schwach.
Jeder dieser Effekte ist beim Export ein endgültiger Eingriff in die Pixel. Die ursprünglichen Pixel im abgedeckten Bereich werden ersetzt und nicht überlagert, also holt sie auch keine spätere Bearbeitung der heruntergeladenen Datei zurück.

Entfernen, was die Datei weiß
Die Metadaten sind der Teil, den beim Anonymisieren die meisten vergessen. Neben den Koordinaten stehen dort die Aufnahmezeit auf die Sekunde und das Gerätemodell — genug, um eine Person zu einem bestimmten Zeitpunkt an einen bestimmten Ort zu setzen. Beim Export ist der Block weg, weil die Datei dabei einmal komplett neu entsteht. Und wenn nur die Metadaten stören und an den Pixeln nichts zu ändern ist, geht auch das: ohne einen einzigen Bereich exportieren, die Datei kommt trotzdem sauber zurück.
Wie das Entfernen funktioniertWo das Recht am eigenen Bild ins Spiel kommt
In Deutschland fällt zu dieser Frage fast immer derselbe Begriff: das Recht am eigenen Bild, § 22 KUG. Der Grundgedanke ist, dass Bilder, auf denen Menschen erkennbar sind, nur mit deren Einwilligung verbreitet werden sollen. Abdecken und Metadaten entfernen sind die beiden Handgriffe, mit denen sich die Erkennbarkeit überhaupt verringern lässt.
Zwei ehrliche Einschränkungen. Gemessen wird am Ergebnis und nicht am Werkzeug: Wenn Kleidung, Ort oder Bildunterschrift die Person weiterhin verraten, ist das Bild nicht anonym, so gründlich die Abdeckung auch war. Und nichts davon ist eine Rechtsberatung — wer Fotos in großer Zahl oder in einem regulierten Umfeld verarbeitet, klärt das mit einer Anwältin oder einem Anwalt und nicht mit einem Ratgeber.
Was die Werkzeugseite zusagen kann: Blurify speichert keine Gesichtsmerkmale, keine Vektoren und keine biometrischen Daten. Die gefundenen Rahmen leben im Browsertab.
Auf dem Gerät allein passiert das nicht. Das Foto geht verschlüsselt an den Server. Dort läuft die Erkennung: Gesichter über Amazon Rekognition, Kennzeichen, Bildschirme und Text über Google Cloud Vision, personenbezogene Angaben im gelesenen Text über Amazon Comprehend. Spätestens nach einer Stunde wird alles zusammen mit dem Export gelöscht. Kein Konto, keine E-Mail-Adresse, kein Tracking-Pixel.
Eine kurze Liste, bevor du es veröffentlichst
Jedes Gesicht abgedeckt, vom Haaransatz bis zum Kinn, Spiegelungen und die halb angeschnittene Person am Bildrand eingeschlossen. Namensschilder, Kennzeichen, Bildschirme und Papiere abgedeckt. Metadaten entfernt — das passiert von allein, wenn die Datei aus Blurify kommt. Bildunterschrift und Umgebung einmal mit frischem Blick gelesen: Würde jemand, der die Person oder den Ort kennt, sie trotzdem wiedererkennen? Wo eine Antwort wackelt, lieber vorher nachbessern — ein Foto lässt sich beliebig oft weiterschicken, aber es muss nur einmal danebengehen.